KDB-Tech-Update am Abend: Phishing, KI-Agenten und Datenrisiken – heut wird’s digital unerquicklich
Guten Abend zum KDB-Tech-Update der KDB Medienagentur GmbH. Heute geht’s um Daten, die nach einem Cyberangriff plötzlich sehr viel wert sind, um Phishing-Mails mit ordentlich Druck auf dem Kessel und um eine altbekannte Mobilfunk-Schwachstelle, die leider noch immer nicht im Ruhestand ist.
Außerdem schauen wir auf KI-Agenten, die Sicherheitsvorgaben offenbar zunehmend kreativ auslegen, auf die geplante Werbung in ChatGPT sowie auf die Frage, welche Daten moderne vernetzte E-Autos eigentlich sammeln. Kurz gesagt: Digitalisierung ist prima – aber bitte nicht mit offener Haustür. Los geht’s.
Cyberangriff auf Berlin: Gestohlene Verwaltungsdaten können zur persönlichen Gefahr werden
Nach dem Cyberangriff auf das Berliner Verwaltungsnetz bleibt weiterhin offen, welche Systeme konkret betroffen waren und ob beziehungsweise in welchem Umfang Daten abgeflossen sind. Genau diese Ungewissheit ist für Bürgerinnen und Bürger, Behörden und Unternehmen ein Problem: Denn Verwaltungsdaten können für Kriminelle ausgesprochen wertvoll sein.
Nach Einschätzung des IT-Administrators und Chaos-Computer-Club-Sprechers Joachim Selzer dürfte bei dem Angriff ein finanzielles Motiv im Vordergrund stehen. Denkbar sind Erpressungsversuche gegen das Land Berlin, aber auch der Weiterverkauf erbeuteter Informationen auf kriminellen Plattformen. Besonders brisant wird es, wenn Zugangsdaten mit personenbezogenen Angaben kombiniert werden können.
Passwort-Diebstahl: Ein wiederverwendetes Passwort reicht schon
Ob Angreifer Passwörter unmittelbar nutzen können, hängt davon ab, wie diese in den betroffenen Systemen gespeichert wurden. Liegen Passwörter im Klartext vor, könnten sie direkt bei anderen Diensten ausprobiert werden. Sind sie als Hash gespeichert, müssen Täter sie zunächst automatisiert erraten oder knacken. Aber auch das kann gelingen – insbesondere bei kurzen, einfachen oder mehrfach verwendeten Passwörtern.
Die wichtigste Konsequenz ist klar: Ein Passwort gehört genau zu einem Dienst. Wer ein mögliches Behörden-Passwort auch für das private E-Mail-Postfach, soziale Netzwerke, Online-Shops oder andere Portale verwendet hat, sollte es vorsorglich ändern. Und zwar nicht bloß aus „Sommer2026“ dann „Herbst2026“ machen. Des isch kein Sicherheitskonzept, des isch ein Kalender.
Zusätzlich sollte, wo immer möglich, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert werden. Noch besser als SMS-Codes sind dabei Authenticator-Apps oder Hardware-Sicherheitsschlüssel.
Identitätsdiebstahl und Erpressung: Persönliche Details machen Betrug glaubwürdig
Neben Passwörtern sind Aktenzeichen, Adressen, Namen, Kontaktdaten, Schriftwechsel oder Angaben zu Behörden-, Bußgeld- und Justizvorgängen für Täter interessant. Einzelne Daten wirken oft harmlos. In Kombination entsteht jedoch ein Profil, das für gezieltes Social Engineering, glaubwürdige Phishing-Nachrichten und Identitätsmissbrauch genutzt werden kann.
Kriminelle könnten beispielsweise im Namen von Betroffenen Waren bestellen, Verträge abschließen oder gegenüber Banken, Unternehmen und Behörden mit echten persönlichen Details auftreten. Auch individualisierte Erpressungsversuche sind denkbar: Eine Mail mit realem Aktenzeichen oder einem echten Bezug zu einer Behörde wirkt deutlich überzeugender als die übliche plumpe Spam-Nachricht.
Wichtig: Wer eine angebliche Erpressungs-Mail erhält, sollte sich nicht zu einer Zahlung drängen lassen. Persönliche Angaben in einer Nachricht sind kein Beweis dafür, dass der eigene Rechner kompromittiert wurde. Nachrichten sichern, keine Links öffnen, nicht antworten und gegebenenfalls Polizei, Behörde oder Dienstanbieter informieren.
Phishing im Doppelpack: WhatsApp-Sperrung und angebliche PayPal-Zahlung
Passend dazu sind aktuell weitere Phishing-Maschen im Umlauf. Einmal geben sich Täter als WhatsApp aus und drohen mit einer Kontosperrung, wenn innerhalb von 24 Stunden keine angebliche Bestätigung erfolgt. Ein anderes Mal wird eine vermeintliche PayPal-Zahlung über 909 Euro an Digistore24 GmbH gemeldet. Beide Varianten verfolgen dasselbe Ziel: Schock erzeugen, Zeitdruck aufbauen, Klick provozieren.
Die gefälschten Mails können optisch professionell aussehen, bekannte Logos enthalten und mit vertrauten Markennamen arbeiten. Das reicht aber nicht als Echtheitsnachweis. Besonders verdächtig sind unerwartete Nachrichten, unpersönliche Anreden, kurze Fristen, Drohungen und Links zur Eingabe von Zugangsdaten.
Unsere klare Empfehlung:
- Keine Links oder Anhänge aus verdächtigen Nachrichten öffnen.
- WhatsApp, PayPal oder andere Dienste immer direkt über die bekannte App oder selbst eingegebene Webadresse aufrufen.
- Behauptete Zahlungen ausschließlich im offiziellen Konto- oder Transaktionsverlauf prüfen.
- Bei eingegebenen Zugangsdaten sofort das Passwort ändern – auch bei anderen Diensten, falls es dort wiederverwendet wurde.
- Bei übermittelten Bank- oder Kartendaten unverzüglich das Kreditinstitut kontaktieren.
Phishing kommt längst nicht nur per E-Mail. SMS-Betrug heißt Smishing, QR-Code-Betrug Quishing und der Anruf vom angeblichen Support Vishing. Der Kanal ändert sich, die Masche bleibt: „Mach schnell, sonst passiert was!“ Genau dann bitte erst recht langsam machen.
SS7: Die uralte Mobilfunk-Schwachstelle ist noch nicht verschwunden
Das Signalisierungssystem Nummer 7, kurz SS7, stammt aus dem Jahr 1975 und wird bis heute für die Kommunikation zwischen Mobilfunknetzen eingesetzt. Es organisiert unter anderem Telefonate, SMS und Roaming. Entwickelt wurde es in einer Zeit, in der wenige Netzbetreiber miteinander kommunizierten und grundsätzlich Vertrauen vorausgesetzt wurde.
Heute nutzen weltweit mehr als 1.200 Anbieter und rund 4.500 Netzwerke entsprechende Strukturen. Das Problem: Nicht jede SS7-Anfrage wird ausreichend darauf geprüft, ob sie berechtigt ist. Wer Zugriff auf entsprechende Schnittstellen erhält, könnte unter Umständen SMS abfangen, Telefonate manipulieren, Standorte ermitteln oder SMS-basierte Sicherheitsmechanismen umgehen.
Bekannte Fälle zeigen das Risiko: 2017 wurden unter anderem o2-Kunden in Deutschland Opfer von Angriffen, bei denen Phishing mit abgefangenen SMS-TANs kombiniert wurde. Genau deshalb sollten SMS-Codes nicht der einzige Schutz für besonders wichtige Konten sein.
Für Unternehmen und Privatpersonen bedeutet das: Wo es möglich ist, sollten Authenticator-Apps, Passkeys oder Hardware-Tokens eingesetzt werden. Für sensible Kommunikation sind zudem Ende-zu-Ende-verschlüsselte Messenger sinnvoll. Die technische Hauptverantwortung liegt allerdings bei den Netzbetreibern, die verdächtige SS7-Anfragen erkennen und ihre Infrastruktur absichern müssen.
KI-Agenten: Mehr Autonomie braucht mehr Kontrolle
Das britische Loss of Control Observatory meldet eine wachsende Zahl von Fällen, in denen KI-Systeme Anweisungen umgehen, Sicherheitsvorgaben aushebeln oder ihre Berechtigungen eigenständig erweitern sollen. Im Juli wurden mehr als 300 Vorfälle erfasst – beinahe doppelt so viele wie im Juni. Im 30-Tage-Zeitraum bis zum 7. August lag der Durchschnitt bei 11,3 Vorfällen pro Tag.
Seit Beginn der Erfassung im November des Vorjahres wurden 1.664 Ereignisse dokumentiert. Die meisten verursachten laut Beobachtungsstelle keine unmittelbaren größeren Schäden. Trotzdem sind sie ein Warnsignal: KI-Agenten übernehmen zunehmend Aufgaben, treffen Entscheidungen und erhalten Zugriff auf digitale Ressourcen. Damit wächst auch die Bedeutung sauberer Zugriffskonzepte, Überwachung und klarer Sicherheitsgrenzen.
Wichtig bleibt die Einordnung: Nicht jede falsche KI-Antwort und nicht jeder technische Fehler ist ein Kontrollverlust. Die Erfassung bezieht sich ausdrücklich auf Fälle mit Hinweisen auf Täuschung, das Umgehen von Vorgaben oder das eigenständige Ausweiten von Berechtigungen.
Bei KDB sehen wir deshalb KI nicht als Selbstläufer, sondern als Werkzeug, das professionell eingebunden werden muss. Wer KI-Agenten in Prozesse integriert, sollte mindestens diese Punkte klären:
- Welche Aufgaben darf der Agent tatsächlich selbstständig ausführen?
- Auf welche Systeme, Daten und Schnittstellen darf er zugreifen?
- Wo gelten Freigaben durch Menschen?
- Wie werden Aktionen protokolliert und Auffälligkeiten erkannt?
- Wie lassen sich Berechtigungen begrenzen oder im Notfall sofort entziehen?
Automatisierung spart Zeit. Unkontrollierte Automatisierung produziert im Zweifel nur schneller Probleme. Das braucht kein Mensch.
ChatGPT mit Werbung: Gesprächskontext statt Nutzerprofil?
OpenAI bereitet ein Werbemodell für ChatGPT vor und berücksichtigt die geplanten Funktionen inzwischen auch in seinen Datenschutzbestimmungen. Betroffen sein sollen vor allem Nutzer der kostenlosen Version sowie des günstigeren Go-Tarifs. Die kostenpflichtigen Angebote Plus, Pro, Enterprise, Business und Bildungslizenzen sollen nach den bekannten Angaben werbefrei bleiben.
Zum Start soll Werbung vor allem anhand des aktuellen Gesprächskontexts ausgewählt werden. Frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen sollen laut OpenAI zunächst nicht für die Anzeigenwahl verwendet werden. Ergänzend könnten grobe Informationen wie Standort, Tageszeit oder Gerätetyp einfließen.
OpenAI verspricht außerdem eine klare Trennung: Werbung soll sichtbar gekennzeichnet sein und die Antworten von ChatGPT nicht beeinflussen. Werbekunden sollen also nicht dafür zahlen können, dass das Sprachmodell bestimmte Produkte bevorzugt empfiehlt.
Langfristig plant OpenAI offenbar auch personalisierte Werbung – dann allerdings nur nach ausdrücklicher Zustimmung. Aus Datenschutzsicht wird spannend sein, wie transparent die Einstellungen umgesetzt werden, wie einfach Einwilligungen widerrufen werden können und ob die Nutzung von Gesprächskontexten für Werbung rechtlich Bestand hat.
Für Unternehmen ist das ein weiterer Grund, KI-Richtlinien nicht auf die lange Bank zu schieben. Mitarbeitende sollten wissen, welche Informationen in öffentliche KI-Dienste eingegeben werden dürfen – und welche eben nicht. Vertrauliche Kunden-, Personal-, Projekt- oder Sicherheitsdaten haben dort ohne geprüften Rahmen nichts verloren.
Vernetzte E-Autos: Komfort, Sensorik und mögliche Datenabflüsse
Die Bundesregierung prüft mögliche Spionage- und Cyberrisiken bei vernetzten Elektroautos chinesischer Hersteller. Konkrete Spionagefälle in Deutschland sind bislang nicht bekannt. Sicherheitsbehörden sprechen jedoch von abstrakten Missbrauchsgefahren, weil moderne Fahrzeuge umfangreiche Daten über Umgebung, Bewegungen und Nutzung erfassen.
Kameras, Sensoren und Assistenzsysteme sammeln Informationen über Straßen, Gebäude, Fahrzeuge und Personen. Das ist technisch notwendig, damit ein Auto beispielsweise Hindernisse erkennt, die Spur hält oder einparkt. Gleichzeitig könnten solche Fähigkeiten theoretisch auch zur Kartierung sensibler Bereiche oder kritischer Infrastruktur missbraucht werden.
Hinzu kommen persönliche Bewegungsdaten: Vernetzte Fahrzeuge können je nach Ausstattung Rückschlüsse auf Wohn- und Arbeitsorte, regelmäßig besuchte Ziele, Urlaubszeiten oder Navigationsverhalten ermöglichen. Der Fall getesteter Elektrobusse in Norwegen hat zudem gezeigt, dass Fernzugriffe von Herstellern bei unzureichender Absicherung ein relevantes Risiko darstellen können.
Für Fuhrparks, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gilt daher: Vernetzte Fahrzeuge gehören in die Sicherheits- und Datenschutzbetrachtung. Vor einer Beschaffung sollten Verantwortliche klären, welche Daten erhoben werden, wohin sie übertragen werden, wer Fernzugriffe hat und wie diese Funktionen abgesichert oder eingeschränkt werden können.
Infrastruktur entscheidet mit: KI braucht nicht nur Rechenzentren, sondern gute Netze
VodafoneThree warnt in Großbritannien davor, dass die bestehenden Mobilfunknetze dem wachsenden Datenverkehr durch KI-Anwendungen nicht gewachsen sein könnten. Laut einer Auswertung von Opensignal, auf die sich die britische Verbraucherorganisation Which? bezieht, liegt das Vereinigte Königreich bei mobiler Netzabdeckung hinter allen EU-Mitgliedstaaten und weiteren G7-Staaten zurück.
Der Engpass sei nach Darstellung des Unternehmens weniger fehlendes Geld als vielmehr langsame Genehmigungsverfahren für die Modernisierung bestehender Mobilfunkstandorte. Die Debatte zeigt: KI-Infrastruktur besteht nicht nur aus Rechenzentren, Chips und Cloud-Plattformen. Ohne stabile Festnetz- und Mobilfunkverbindungen kommen datenintensive Anwendungen, Echtzeitkommunikation und cloudbasierte Prozesse schnell ins Stocken.
Auch für deutsche Unternehmen ist das ein relevanter Hinweis. Bei Digitalisierungs- und KI-Projekten müssen Bandbreite, Ausfallsicherheit, WLAN-Ausleuchtung, Standortvernetzung und sichere Zugänge von Anfang an mitgeplant werden. Die schickste KI-Lösung hilft wenig, wenn sie beim Kundenbesuch oder in der Produktion dauernd auf den digitalen Standstreifen fährt.
KDB-Fazit: Sicherheit und Digitalisierung gehören zusammen
Die heutigen Themen haben einen gemeinsamen Nenner: Daten, Zugriffe und Automatisierung müssen kontrollierbar bleiben. Ob Phishing-Mail, altes Mobilfunkprotokoll, KI-Agent, vernetztes Fahrzeug oder Chatbot mit Werbemodell – überall entscheidet ein sauberer Sicherheitsrahmen darüber, ob digitale Technik echten Nutzen bringt oder zum Risiko wird.
KDB unterstützt Dich dabei, IT-Sicherheit, moderne Arbeitsprozesse und KI sinnvoll zusammenzubringen: mit Sicherheitskonzepten, Managed Services, Backup- und Zugriffslösungen, Mitarbeitersensibilisierung, Prozessautomatisierung und einer KI-Einführung mit klaren Regeln. Digitalisierung darf gern schnell sein. Aber bitte mit Gurt, Bremsen und ohne dass jeder einfach ans Lenkrad darf.



