Guten Abend zum KDB-Tech-Update: Wenn Updates zur Falle werden
Schön, dass Du beim abendlichen KDB-Tech-Update dabei bist. Heute geht es um eine Android-Schadsoftware, die echte Banking-Apps durch manipulierte Kopien ersetzen kann, eine unsichtbare SMS mit unangenehmen Folgen und eine kompromittierte Erweiterung für Entwickler. Im KI-Teil schauen wir auf einen umstrittenen Bericht über einen Programmieragenten in einem sensiblen Netzwerk, neue Möglichkeiten für Unternehmensdaten und ein geplantes Signal gegen KI-Training mit Website-Inhalten. Dazu kommen digitale Identitäten, Recruiting und ein paar praktische Sicherheitsgriffe für Deinen Alltag. Kurz: reichlich Stoff für den Podcast – und für alle, die ihre IT lieber selbst im Griff haben.
Hirudo: Wenn die vermeintliche Banking-App nicht mehr die echte ist
Die Android-Schadsoftware Hirudo kombiniert Datendiebstahl mit Fernzugriff auf infizierte Smartphones. Der besonders heikle Trick: Bei bestimmten Banking-Apps versucht sie nicht nur, eine Anmeldemaske nachzuahmen. Sie bringt Nutzerinnen und Nutzer dazu, die echte App zu entfernen und eine manipulierte Kopie zu installieren. Sicherheitsforscher von ThreatFabric fanden acht solcher Kopien für Apps von sieben indonesischen Banken.
Der Einstieg erfolgt über Apps, die beispielsweise Einkaufs-, Unterhaltungs- oder Kurzvideo-Angebote versprechen. Eine solche App kann zunächst tatsächlich Inhalte anzeigen. Hinter einer angeblichen Aktualisierung verbirgt sich dann die Aufforderung, eine weitere Komponente zu installieren und ihr weitreichende Rechte zu geben – insbesondere Zugriff auf die Android-Bedienungshilfen. Damit kann Schadsoftware Bildschirminhalte erfassen und Aktionen auf dem Gerät ausführen.
Erkennt Hirudo eine passende Banking-App, präsentiert es erneut ein vermeintliches Update. Tatsächlich soll die originale App deinstalliert und eine veränderte Version installiert werden. Das geschieht nicht völlig unbemerkt: Android verlangt die Entfernung der Original-App und die Freigabe der Ersatzinstallation. Genau an diesen Stellen können Nutzer den Vorgang abbrechen.
Die manipulierte App kann lokale Sicherheitsprüfungen täuschen, etwa indem sie Angaben zu ihrer Signatur verändert oder aktive Bedienungshilfen verbirgt. Auch Prüfungen über die Play Integrity API können laut ThreatFabric über Infrastruktur der Angreifer geleitet werden. Das macht Schutzmaßnahmen aber nicht grundsätzlich wirkungslos: Serverseitige Prüfungen der Bank können Manipulationen weiterhin erkennen. Hirudo kann unter anderem Banking-Passwörter, Zahlungs-PINs, Entsperrdaten und SMS abgreifen sowie den Bildschirm übertragen.
Wichtig bei der Einordnung: Wie viele Menschen betroffen sind, ist unbekannt. Hinweise auf Finanzziele in weiteren Ländern belegen nicht, dass dort bereits manipulierte Banking-Apps nachgewiesen wurden.
Für Dich heißt das: Installiere Apps möglichst aus vertrauenswürdigen offiziellen Stores, sei bei APK-Dateien und Update-Aufforderungen innerhalb fremder Apps skeptisch und prüfe besonders sorgfältig, welche Anwendung Bedienungshilfen nutzen darf. Halte Android und Apps aktuell und nutze Google Play Protect. Vermutest Du einen Befall und könnten Bankdaten betroffen sein, kontaktiere Deine Bank von einem anderen, vertrauenswürdigen Gerät aus. Wie schon in unserem früheren Update zu Android-Malware und sicheren Systemen gilt: Bei einem kompromittierten Gerät hilft Wegschauen eher wenig – au wenn’s grad lästig ist.
Unsichtbare SMS, sichtbare Folgen: Android-Updates prüfen
Eine weitere Android-Meldung betrifft eine Schwachstelle, über die eine verborgene WAP-Push-SMS Smartphones mit Android 12 bis 17 in eine Neustart-Schleife versetzen kann. Laut dem Sicherheitsforscher Mark Blaszczyk kann ein betroffenes Gerät ungefähr alle anderthalb Minuten neu starten. Die auslösende Nachricht erscheint dem Bericht zufolge nicht im normalen Posteingang.
Für Android 14 bis 17 soll Google spätestens seit Anfang Oktober ein Sicherheitsupdate bereitgestellt haben. Ob es bereits auf Deinem Smartphone angekommen ist, hängt allerdings auch vom Gerätehersteller ab. Bei Android 12 und 13 könnte die Lücke bestehen bleiben, sofern der Hersteller keinen eigenen Fix veröffentlicht. Prüfe deshalb die verfügbaren System- und Sicherheitsupdates.
Besonders wichtig, falls Dein Gerät bereits betroffen ist: Erscheint im Wiederherstellungsmodus die Option „Wipe data“, wähle sie nicht vorschnell. Sie löscht Gerätedaten. Als möglicher technischer Weg zur Wiederherstellung wird die Android Debug Bridge genannt; ohne entsprechende Erfahrung ist professionelle Unterstützung die bessere Wahl.
Cursor-Marktplatz: Manipulierte Claude-Code-Erweiterung konnte Spuren hinterlassen
Am 29. Oktober waren die manipulierten Versionen 2.1.312 und 2.1.313 der Claude-Code-Erweiterung rund elf Stunden im Erweiterungsmarktplatz von Cursor verfügbar. Betroffen waren Windows und macOS. Cursor zufolge könnten bis zu 5.000 Nutzerinnen und Nutzer die schädliche Version erhalten haben – auch durch automatische Updates. Die Zahl beschreibt eine mögliche Reichweite, keine bestätigte Zahl kompromittierter Rechner.
Die Erweiterung sammelte unter anderem Computer- und Benutzernamen, Git-E-Mail-Adresse und öffentliche IP-Adresse. Außerdem versuchte sie, einen SSH-Schlüssel des Angreifers einzutragen, den SSH-Dienst zu aktivieren und einen Tunnel zu einem Angreiferserver aufzubauen. Für den Tunnel wären Administratorrechte nötig gewesen, die der Erweiterung auf vielen Systemen fehlen dürften. Andere Schritte, darunter das Einrichten einer dauerhaften Verankerung, konnten laut Cursor dennoch gelingen. Nur die Erweiterung zu deinstallieren, muss daher nicht ausreichen.
Cursor entfernte die betroffenen Pakete und veröffentlichte Prüf- und Bereinigungsskripte. Betroffene sollen diese Hinweise nutzen und auf die saubere Version 2.1.314 aktualisieren. Anthropic erklärt, die manipulierte Fassung weder entwickelt noch selbst veröffentlicht zu haben; seine offiziellen Vertriebskanäle seien nicht betroffen. Wie der Zugang zum Cursor-Marktplatz zustande kam, ist öffentlich nicht geklärt.
Für Unternehmen ist das ein Lehrstück über Software-Lieferketten: Eine Erweiterung in der Entwicklungsumgebung ist nicht „bloß ein kleines Helferlein“. Sie arbeitet dort, wo Code, Projekte und mitunter Zugangsdaten liegen. KDB betrachtet deshalb auch Entwicklerwerkzeuge, Erweiterungen und deren Berechtigungen als Teil eines IT-Sicherheitskonzepts – nicht erst den fertigen Server. Mehr zu dem Thema findest Du in unserem vorherigen Tech-Update über die manipulierte Cursor-Erweiterung.
KI-Agent im sensiblen Netzwerk: Schwerwiegender Bericht, offene Fragen
Ein Bericht von WIRED wirft Fragen zum Einsatz von KI-Programmieragenten in besonders sensiblen Umgebungen auf. Demnach soll ein Accenture-Auftragnehmer ein System des US-Verteidigungsministeriums mit seinem privaten Claude-Code-Konto verbunden haben. Der Agent soll Zugangsdaten mit administrativen Rechten erhalten, Code erstellt und für seine Arbeit eine externe Website kontaktiert haben. Laut Bericht könnten dabei Zugangsdaten und Informationen über das Netzwerk übertragen worden sein.
Diese Vorwürfe sind nicht als gesicherter Vorfall in allen Einzelheiten zu behandeln: WIRED stützt sich auf anonyme Quellen; Accenture weist die Anschuldigungen zurück und erklärt, seine Verpflichtungen erfüllt zu haben. Hinweise auf einen Zugriff auf klassifizierte Systeme oder auf einen gezielten Hackerangriff liegen nach dem Bericht nicht vor.
Die praktische Frage bleibt trotzdem relevant: Welche Rechte geben Unternehmen einem KI-Agenten, der Code schreiben oder Infrastruktur einrichten soll? Ein privates Konto, privilegierte Zugangsdaten und Verbindungen zu externen Diensten gehören nicht ungeprüft in einen sensiblen Prozess. Bei KDB ist der sinnvolle Weg für KI-Automatisierung deshalb klar umrissen: Aufgaben und Berechtigungen begrenzen, externe Datenflüsse prüfen, Änderungen nachvollziehbar machen und kritische Schritte durch Menschen freigeben. Ein Agent darf Arbeit abnehmen – nicht die Verantwortung.
KI-Bilder als Versteck: Ein Experiment mit Sicherheitsfragen
Forschende der Singapore AI Safety Fellowship ließen in einem Versuch 50 kurze Botschaften in KI-generierte Bilder einarbeiten. Ohne vorgegebene Codierungsregel versteckte Anthropics Modell Fable 5.1 die Texte beispielsweise über Anordnung oder Eigenschaften von Bildobjekten. Andere Modelle sollten die Botschaften anschließend wiederfinden. Im Kreuztest entschlüsselte OpenAIs GPT-6 Astra 44 der 50 Bilder, Fable selbst 42.
Die Forschenden leiten daraus keine unmittelbar neue Alltagsgefahr durch KI-Bilder ab. Das Experiment zeigt aber, warum Sicherheitsprüfungen bei KI-Systemen nicht nur auf offensichtlichen Text achten sollten: Informationen können auch in visuellen Mustern stecken. Relevant wird das insbesondere dort, wo Agenten Bilder verarbeiten und zugleich Zugriff auf sensible Informationen oder weitere Werkzeuge haben.
Website-Inhalte und KI-Training: Ein gemeinsames robots.txt-Signal ist geplant
Google, Microsoft, OpenAI und Anthropic wollen ein gemeinsames Signal unterstützen, mit dem Website-Betreiber der Nutzung ihrer Inhalte für das Training generativer KI widersprechen können. Der Entwurf sieht dafür die Kennzeichnung __usage_ai-training in der robots.txt vor. Bereiche einer Website sollen sich unterschiedlich behandeln lassen – etwa wenn ein Pressebereich freigegeben, andere Inhalte aber ausgeschlossen werden sollen.
Noch ist das ein Entwurf: Die Internet Engineering Task Force hat ihn bislang weder angenommen noch offiziell gebilligt. Auch die Einführung erfolgt nicht gleichzeitig. Microsoft nennt den 1. Februar 2027, Google plant Unterstützung für Anfang 2027, OpenAI spricht von den kommenden Monaten und Anthropic arbeitet nach eigenen Angaben bereits an der Umsetzung.
Für Website-Betreiber sind zwei Grenzen entscheidend. Erstens ist das Signal eine maschinenlesbare Nutzungspräferenz, kein generelles Verbot, Seiten abzurufen. Zweitens beantwortet es weder Lizenz- noch Vergütungsfragen. Wer Inhalte für KI-Grounding ausschließt, muss außerdem mögliche Auswirkungen auf die Sichtbarkeit in KI-Antworten bedenken; Microsoft weist ausdrücklich auf dieses Spannungsfeld hin.
Für KDB als Partner für Websites, SEO und digitale Inhalte ist das eine strategische Entscheidung statt eines schnellen Häkchens: Welche Inhalte sollen auffindbar und in KI-Erlebnissen nutzbar sein? Wo möchtest Du Training ausschließen? Und welche bestehenden Crawler-Regeln gelten bereits? Bevor man die robots.txt ändert, sollte klar sein, welches Ziel die Website verfolgt – sonst ist die Überraschung bei der Reichweite womöglich größer als der Nutzen.
Digitale Brieftasche d-you: Gute Idee, aber der Zugang entscheidet
Mit d-you plant die Bundesregierung eine digitale Brieftasche für Identitätsnachweise auf dem Smartphone. Der vorgesehene Start am 2. Januar 2027 ist noch nicht endgültig gesichert; laut Artikel steht auch die Zustimmung des Bundesrats zu den gesetzlichen Grundlagen noch aus. Zum Start soll vor allem der digitale Personalausweis bereitstehen. Weitere Nachweise und Anwendungen sollen später folgen.
Die Nutzung ist freiwillig, physische Ausweisdokumente bleiben möglich. Wer die Wallet nutzen möchte, benötigt ein geeignetes Android- oder iOS-Smartphone mit NFC, eine Internetverbindung für die Ausweisfunktion und für die Ersteinrichtung einen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion samt PIN. Gerade diese PIN könnte zur Hürde werden: In einer genannten Bitkom-Umfrage kannten nur 18 Prozent der Befragten ihre aktivierte PIN; weitere 21 Prozent hatten sie vergessen.
Die Wallet soll Nutzer vor einer Datenübermittlung um Freigabe bitten und künftig auch datensparsame Nachweise ermöglichen. Gleichzeitig kommt es darauf an, was eine Stelle anfragt und was Nutzer bestätigen. Technische Signaturen machen einen Nachweis überprüfbar, ersetzen aber keine verständliche Gestaltung von Freigaben. Für Unternehmen, die künftig Identifizierungsprozesse digital anbieten wollen, sind deshalb klare Abläufe, sparsame Datenabfragen und gut verständliche Oberflächen entscheidend. Den Hintergrund zur geplanten Wallet haben wir auch im früheren KDB-Tech-Update zur digitalen Brieftasche aufgegriffen.
SAP und Databricks: Mehr KI auf Unternehmensdaten – wenn die Grundlage stimmt
SAP und Databricks wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Für SAP Databricks in der SAP Business Data Cloud sind zusätzliche Werkzeuge angekündigt: Genie soll Fragen zu Unternehmensdaten beantworten, Lakeflow Datenpipelines unterstützen, Unity Gateway bei der Kontrolle von KI-Agenten und Kosten helfen und Lakebase als Datenbank für KI-Anwendungen dienen. Geplant ist außerdem eine Verbindung von Genie mit SAPs Assistenten Joule. Konkrete Starttermine wurden nicht genannt.
Mit der ebenfalls vorgestellten SAP Application Data Foundation soll der Zugriff auf Daten aus SAP-Geschäftsanwendungen einfacher werden – unabhängig davon, ob diese in der Cloud oder auf eigenen Servern laufen. Dahinter steckt eine bekannte Herausforderung: Werden Daten für Analysen oder Automatisierung aus ihren Ursprungssystemen herauskopiert, kann geschäftlicher Zusammenhang verloren gehen.
Für die Praxis zählt daher nicht allein, ob ein KI-Assistent eine Frage beantworten kann. Unternehmen müssen klären, welche Daten er sehen darf, ob ihre Bedeutung erhalten bleibt und wer seine Ergebnisse überprüft. Genau an dieser Schnittstelle treffen sich bei KDB Prozessgestaltung, Automatisierung und IT-Sicherheit: Erst saubere Datenflüsse und Zuständigkeiten, dann die KI obendrauf. Andersrum wird’s gern teuer und unübersichtlich.
KI im Recruiting: Transparenz nicht im Datenschutztext verstecken
Eine Untersuchung des HR-Softwareanbieters Lucca betrachtet, wie transparent 25 große deutsche Arbeitgeber über KI im Bewerbungsprozess informieren. Laut Untersuchung nutzen 21 von ihnen Bewerbungssoftware, die grundsätzlich KI-Funktionen unterstützt. Das belegt nicht, dass jede dieser Funktionen tatsächlich für die Auswahl eingesetzt wird. Offen auf entsprechende Funktionen weisen laut Lucca vier der untersuchten Unternehmen hin.
Für Bewerber ist wichtig zu wissen, ob Software Unterlagen verwaltet, Inhalte auswertet oder bei einer Vorauswahl mitwirkt. Hinweise nur tief in Datenschutzhinweisen unterzubringen, macht einen Prozess nicht unbedingt verständlich. Unternehmen, die Recruiting digitalisieren, sollten daher prüfen, welche Funktionen sie tatsächlich einsetzen, welche Daten verarbeitet werden und wo Bewerbende diese Informationen rechtzeitig finden. Transparenz ist hier nicht die Bremse der Automatisierung – sie schafft die Grundlage für Vertrauen.
Noch zwei Sicherheitsgriffe für den Feierabend
Phishing nach Datenlecks: Avast warnt, dass gestohlene persönliche Angaben betrügerische Nachrichten glaubwürdiger machen können. Wenn eine Mail behauptet, Dein Konto müsse wegen eines Vorfalls dringend über einen Link bestätigt werden, rufe den Dienst lieber selbst über die Browser-Adresszeile auf. Prüfe zudem regelmäßig, welche externen Apps und KI-Tools Zugriff auf wichtige Konten haben, entferne unnötige Verknüpfungen und nutze für jeden Dienst ein eigenes Passwort.
Funkschnittstellen unterwegs: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, WLAN, Bluetooth und NFC nur bei Bedarf einzuschalten. Gerade bei öffentlichem WLAN lohnt Vorsicht vor Netzen, die bekannten Hotspots täuschend ähnlich sehen. Eine Automatisierung kann das Abschalten im Alltag bequemer machen – prüfe aber, was Dein konkretes Gerät dabei tatsächlich tut.
Das Fazit dieses Abends: Ob Banking-App, Entwickler-Erweiterung, KI-Agent oder Website-Crawler – entscheidend ist, wer Zugriff bekommt, welche Daten fließen und ob Du den Ablauf noch kontrollierst. Genau dabei unterstützt KDB Unternehmen: mit IT-Sicherheit, durchdachten digitalen Prozessen und Automatisierung, die nicht einfach blind durchmarschiert.



